Editorial

„Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch
behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind
keine Macht an mir finde.“

Luthers Morgensegen


Pastor Johannes Link

Jeder hat so seine Rituale. Sie bringen etwas Ruhe und Gewissheit in den Tag mit seinen Chancen und Aufgaben. Luther hat vor etwa 500 Jahren mit diesem Gebet seinen Tag unter den Segen Gottes gestellt.

Der Morgensegen war sein Ritual.

Luther hat für einen solchen meditativen Start in den neuen Tag geworben, bei Pfarrern, Fürsten, Frauen, Bauern, Handwerkern, bei allen, die nicht einfach so in den neuen Tag reinplatzen wollen. Das gilt bis heute. Egal ob ich gut oder schlecht geschlafen habe, ob ich mich auf die anstehenden 16 Tagstunden freue oder am liebsten liegen bleiben würde: ich kann jeden neuen Morgen vor mich hinmurmeln:
“Ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde. Das walte Gott! Amen“. – Und dann kann der neue Tag kommen!
Die Kurzform lautet: wenn der Wecker zum Schweigen gebracht ist und ich auf der Bettkante sitze, einmal tief durchatmen: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen“ - und los geht‘s. Ich empfehle: ausprobieren, jeden Morgen, es kann nicht schaden.

Johannes Link