Barockorgel Scharnebeck

                                                                                       KM Jens Scharnhop


Die Orgel von St. Marien in der ev. -luth. Kirche Scharnebeck wurde 1994/95 durch Orgelbaumeister Martin Hillebrand, Altwarmbüchen, unter Verwendung des historischen Prospekts von 1754 gebaut.

Orgel in der alten Klosterkirche
Seit der Reformation sind im ehemaligen Kloster Scharnebeck "Orgelspiel" und „Organisten" in den Archiven genannt. Weder über das damalige Instrument noch über den Erbauer ist etwas bekannt. Vermutlich hat Michael Praetorius, der sich 1602/1603 für längere Zeit hier aufhielt, an einer ersten Orgel mitgewirkt. Als 1712 die alte, für Scharnebeck viel zu große Klosterkirche baufällig geworden war und abgerissen wurde, war auch die Orgel abgängig.

 Anonymus 1754
Einige Jahre nach dem Wiederaufbau der stark verkleinerten Kirche 1723 wurde ein neues Instrument aufgestellt, von dem nur belegt ist, dass sie mit 16 Registern in Hauptwerk und Pedal ausgestattet war. Von der Anlage her lässt sich vermuten, dass die Orgel im Umfeld des im Lüneburgischen wirkenden Arp-Schnitger-¬Schülers Matthias Dropa entstand. Der un-genannte Orgelbauer schuf ein Werk, dessen Prospekt vom Amtmann G. L. Graf von der Schulenburg gestiftet wurde. Das Hauptwerk verfügte über 11 Register bei einem Klaviatur-umfang von vier Oktaven und das Pedal über 5 Register. Die Orgel war mit einem Zim-belstern ausgestattet.

Röver 1895
Der Orgelbauer Carl Johann Heinrich Röver aus Stade errichtete hinter dem umgebauten Prospekt ein neues Werk. Dazu wurde dieser außen um jeweils zwei Flachfelder erweitert. Die komplette Mechanik des Zimbelsterns war abgängig, nur den sichtbaren Holzstern inte-grierte Röver feststehend in den Prospektumbau.

Steinmann 1939 und Hammer 1954
Durch Gustav Steinmann Orgelbau aus Vlotho-Wehrendorf erfolgte 1939 ein Umbau. Stein-mann setzte Kegelladen und eine elektro-pneumatische Traktur ein. Etliche Register der Röver-Orgel wurden in die neue Disposition übernommen. Im Jahr 1954 erfolgte eine "Barockisierung" der romantischen Orgel durch Emil Hammer Orgelbau (Hannover), unter Beibehaltung der Kegellade und der elektro-pneumatischen Traktur.

Neubau durch Martin Hillebrand 1994/95
Nach Abgang des irreparablen Röver-Instruments stellte die Fa. Gebr. Hillebrand Orgelbau, Altwarmbüchen, ein vollkommen neues Werk hinter den erhaltenen Prospekt von 1754. Dieser wurde durch Entfernung der durch Röver ergänzten äußeren Flachfelder wieder in den Urzustand versetzt. Für Brustwerk, Spiel- und Registertraktur wurde ein neues Untergehäuse konstruiert. Ebenfalls neu ist das Pedalwerk in eigenem Gehäuse, das (unsichtbar aus dem Kirchenschiff) etwa einen Meter hinter dem Hauptwerk steht.
Durch Verwendung in alter Tradition gefertigter Materialien, überlieferter Mensuren und entsprechend historischer Bauweise ist hier ein kompromissloses und authentisches Instrument nach Vorbild der norddeutschen Barockorgeln entstanden. Disposition, Klangbild und nicht zuletzt die wohltemperierte Bachstimmung stellen die Scharnebecker Barockorgel heute neben ihre historischen Vorbilder.

BAROCKORGEL SCHARNEBECK II/P/ 17

HAUPTWERK C—f3
Prinzipal 8' (klingend im Prospekt)
Hohlflöte 8'
Oktave 4'
Nassar 3'
Oktave 2'
Mixtur IV
Sesquialtera 11 (Diskant und Bass geteilt)
Trompete 8' (Diskant und Bass geteilt)

BRUSTWERK C—f3
Gedackt 8'
Rohrflöte 4'
Waldflöte 2'
Quinte 1 1/3'
Vox Humana 8'

PEDAL C—d 1
Subbass 16'
Flachflöte 8'
Oktave 4'
Posaune 16'

• Koppel HW an Pedal
• Koppel BW an HW
• Cymbelstern
• Bocktremulant über gesamtes Werk

• Winddruck 74 mmWS
• Stimmhöhe 437 Hz
• wohltemperiert nach Herbert Anton Kellner

  

Unser Kirchenmusiker 
Jens Scharnhop
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