Auf einen Blick

Editorial

Am 24. Juni ist Sommerweihnacht. Weihnachten feiern im Sommer?

In der Nacht vom 23. Juni auf den 24. Juni brennen an manchen Orten in der Schweiz oben auf den Bergen Feuer. Es sind die Johannisfeuer, die in der Nacht zum Johannistag ihr Licht für alle sichtbar scheinen lassen. Sie sind Symbol für die Sonne, für das lebensspendende Licht und damit für Christus. Dass diese Feuer in der Höhe brennen, ist auf den Lobgesang des Zacharias zurückzuführen:

„Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ (Lk 1,76-79)

Zacharias besingt hier die Geburt seines Sohnes Johannes, der ihm und seiner Frau als Wegbereiter des Messias angekündigt worden ist.

Und so kommt es auch: Als erwachsener Mann lebt Johannes als Einsiedler in der Wüste, ernährt sich von Heuschrecken und Honig und kleidet sich in Kamelfell. Er predigt den Menschen, von den Irrwegen der Welt umzukehren auf den Weg des Friedens, denn der Retter ist nahe. Als Zeichen der Umkehr lassen sich die Menschen von ihm im Jordan taufen.

Schließlich lässt sich auch Jesus zu Beginn seines Wirkens von Johannes taufen und Gott bestätigt mit seinem Geist: Jesus ist Gottes Sohn, der Retter der Welt, das Licht.

Da man aus der Bibel weiß, dass Johannes sechs Monate älter gewesen ist als Jesus, hat man den Johannistag, also den Geburts-tag von Johannes, auf den 24. Juni gelegt. Der Tag hieß früher auch oft Sommerweihnacht: Das Warten auf den Retter hat Halbzeit.

Wenn Sie also nun im Juni die langen Tage oooder die ersten reifen Johannisbeeren genießen oooder Johannissträuße1 pflücken oooder ein Johannisfeuer im Garten entzünden oooder die Balztänze der Glühwürmchen (auch Johanniswürmchen genannt) beobachten, dann dürfen Sie sich nicht nur an der Pracht und den Gaben dieser schönen Erde erfreuen, sondern auch auf das Licht vertrauen, dass uns scheint aus der Höhe und uns Frieden und Hoffnung für diese Welt bringen will. Es scheint voll Zuversicht. Scheint uns jeden Tag. Auch im Sommer. Am 24. Juni ist Johannistag. Halbzeit bis Weihnachten. Der Retter kommt. Halleluja!

 

Ihre Pastorin Henrike Koch

1 Eine fast vergessene Tradition: Zum Johannistag bindet man Johannissträuße aus sieben, manch-mal neun (Heil)Kräutern und stellt sie in die Vase, verbrennt sie später im Feuer, um Krankheiten abzuwenden oder hängt sie zum Trocknen auf. Weil nämlich am Johannistag die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, glaubte man früher, dass die Heilkräfte der Kräuter am Johannistag besonders gut wirken. Schauen Sie doch mal, ob Sie folgende Kräuter am Wegesrand, auf der Wiese oder im Garten finden: Johanniskraut, Beifuß, Schafgarbe, Arnika (Ringelblume), Eisenkraut, Kamille und Wiesenmargerite.

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